Mit Tangerine Dream holte das Klavier-Festival Ruhr eine Legende der elektronischen Musik in die Heilig-Kreuz-Kirche nach Gelsenkirchen. Die Einbindung des Konzerts in die Reihe „Klavier & Elektronik“ unterstreicht den Anspruch des Festivals, den Klavierbegriff weit über das klassische Repertoire hinaus zu denken und musikalische Grenzgänge zu ermöglichen.
Kaum ein Ort hätte sich dafür besser geeignet als die monumentale Heilig-Kreuz-Kirche. Der sakrale Raum wurde zum Resonanzkörper für jene schwebenden Klanglandschaften, die Tangerine Dream seit Jahrzehnten zu einem Synonym für elektronische Musik zwischen Ambient, Progressive Rock und improvisatorischer Klangkunst gemacht haben.
Gerade die besondere Akustik der Kirche verleiht den elektronischen Klangschichten zusätzliche Tiefe. Wo in einem Konzertsaal Präzision dominiert, entsteht hier ein nahezu meditativer Raumklang, der das Publikum vollständig umschließt. Licht und Architektur verschmelzen mit der Musik zu einer atmosphärischen Gesamterfahrung.
Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich sich ein Ensemble wie Tangerine Dream in das Programm des Klavier-Festivals einfügt. Die Reihe „Klavier & Elektronik“ beweist erneut, dass Tasteninstrumente heute weit mehr umfassen als den klassischen Konzertflügel. Synthesizer, Sequencer und elektronische Klangerzeugung erweitern den Begriff des Pianistischen um eine faszinierende Dimension.
Mit diesem Konzert setzte das Klavier-Festival Ruhr ein Zeichen für Offenheit und musikalische Neugier. Tangerine Dream demonstrierte eindrucksvoll, dass elektronische Musik längst Teil des kulturellen Kanons geworden ist – nicht als nostalgischer Rückblick auf die Pionierzeit der Berliner Schule, sondern als lebendige Kunstform, die weiterhin Grenzen verschiebt.
Fazit: Tangerine Dream verwandelte die Heilig-Kreuz-Kirche in einen Raum zwischen Traum und Realität. Das Konzert war weniger eine Abfolge einzelner Stücke als eine zweistündige Klangreise, die den Mut des Klavier-Festivals Ruhr belohnt, musikalische Horizonte immer wieder neu auszuloten.
Fotos: Peter Wieler



