Mit dem Le Cercle hat Martigny einen gastronomischen Treffpunkt, der weit mehr sein möchte als ein klassisches Hotelrestaurant. Im Quartier LôDzè setzt Küchenchef Matteo Salas auf eine Küche, die konsequent regional denkt und dabei internationale Einflüsse nicht scheut. Das Ergebnis ist eine moderne, bistronomische Handschrift, die neugierig macht – und überwiegend überzeugt.
Schon beim Betreten des Restaurants fällt das stilvolle Ambiente ins Auge. Warme Materialien, zeitgenössisches Design und die offene Küche schaffen eine entspannte, urbane Atmosphäre, die ebenso gut zu einem geschäftlichen Mittagessen wie zu einem genussvollen Abend mit Freunden passt. Die Einrichtung wirkt hochwertig, ohne kühl zu erscheinen, und verleiht dem Restaurant eine kosmopolitische Note.
Die Speisekarte orientiert sich an den Jahreszeiten und bevorzugt Zutaten aus einem Umkreis von rund 180 Kilometern. Dieser regionale Ansatz ist erfreulich konsequent umgesetzt, ohne in kulinarischen Dogmatismus zu verfallen. Klassiker werden neu interpretiert, ergänzt durch mediterrane und asiatische Akzente. Gerichte wie hausgemachte Gnocchi, raffinierte Gemüsekompositionen oder langsam gegartes Fleisch überzeugen durch präzise Garzeiten, ausgewogene Würzung und eine ansprechende Präsentation. Besonders hervorzuheben ist der kreative Umgang mit Gemüse, das hier keineswegs nur Beilage, sondern oft Hauptdarsteller ist.
Folgendes Menü haben wir verkostet:
VORSPEISE
Das Blumenkohl überraschen kann, bewies Matteo Salas auf beeindruckende Weise. Knusprig geröstete Blumenkohlecken mit feinem Joghurt-Koriander-Kondiment und Zitronengel verzückten unseren Gaumen und machten Lust auf mehr.
HAUPTGANG
Die feinen Eglifilets (Flußbarsch) verdienen große Aufmerksamkeit. Sie fein mehliert nach Müllerin-Art ist sicher die beste Art, diesen köstlichen Fisch zuzubereiten. Die Kapern runden den Geschmack vortrefflich ab und die frisch zubereite Sauce Gribiche überdeckt nicht den feinen Fisch im Gaumen. Mit dem kleinen Salat kann man wunderbar zwischendurch den wieder neutralisieren. Die knusprigen Pommes frites wurden in einem kleinen Frittierkörbchen gereicht und passten hervorragend zu diesem Hauptgang.
Vegetarische Option:
Das Risotto kam sehr schlotzig auf den Teller und überzeugte im Geschmack. Die gewürfelten Auberginen gaben ein harmisches Topping und das Basikum wurde zu einer Sauce verarbeitet, die dekorativ für eine schöne Optik auf dem Teller sorgte. Die Portion war dermaßen großzügig bemessen, dass es keiner von unserer Gruppe geschafft hat, den Teller leer zu essen.
DESSERT
Einen gelungenen Abschluss bot das köstliche Dessert: Optisch schon überraschend, zeigte sich mal wieder, was kreative Köche aus traditionellen Gerichten zaubern können. Die Mascarpone-Mousse wurde in Form einer Kugel gereicht, deren heller Inhalt sich erst beim Genießen offenbarte. Mit der Creme, dem Schokoladen-Crunch und der Kaffeeglace bot diese Variation eines Tiramisus einen Hochgenuss.
Alles in allem konnte das Menü überzeugen und begeisterte die Esser. Auch die Weinkarte verdient Aufmerksamkeit. Sie bietet eine beachtliche Auswahl an Walliser Gewächsen ebenso wie internationale Positionen. Wer Beratung wünscht, trifft auf einen engagierten Service, der Empfehlungen kompetent und unaufdringlich ausspricht.
Der Service präsentiert sich insgesamt aufmerksam und freundlich. Dennoch zeigte sich gelegentlich, dass Abläufe nicht immer vollkommen eingespielt sind – etwa bei kleineren organisatorischen Details.
Preislich bewegt sich das Le Cercle im gehobenen Segment. Angesichts der Produktqualität, des handwerklichen Niveaus und des Ambientes erscheint dies jedoch überwiegend gerechtfertigt. Wer lediglich große Portionen zum kleinen Preis sucht, wird hier nicht glücklich werden. Wer hingegen Freude an sorgfältig komponierten Gerichten und einer modernen Interpretation regionaler Küche hat, erhält ein stimmiges Gesamterlebnis.
Fazit: Das Le Cercle gehört zu den spannendsten kulinarischen Adressen im Wallis. Die Verbindung aus regionalen Produkten, kreativer Küche und stilvollem Ambiente macht das Restaurant zu einer Empfehlung für Genießer. Kleinere Schwächen im Service ändern nichts daran, dass hier mit viel Leidenschaft gekocht wird – und dass Martigny um eine gastronomische Attraktion reicher ist.



