KULTUR

Geballte Bassklänge und Ausnahmebesetzung 
beim 9. Kammerkonzert der Essener Philharmoniker im Aalto Foyer

Er sorgt für das satte Klangfundament, ist das größte der gestrichenen Saiteninstrumente, in Konzert Oper Jazz und eigentlich überall musikalisch zu Hause: der Kontrabass, Double Bass, Bassgeige, der Bass.
Gleich acht von diesen Streichgiganten oder auch liebevoll Holztuben genannten Instrumenten waren am 19.6.22 im Aalto Foyer, meisterhaft von acht philharmonischen Kontrabassisten gespielt, zu hören.

Der Auftakt des außergewöhnlichen Konzertes erfolgte mit Teppo Hauta-Ahos Kadenza für Kontrabasssolo, einem finnischen Kontrabassisten, solistisch von Eduardo Rodriguez Romanos vorgetragen. Und das setzte Maßstäbe: vorgestellt wird alles was so ein Bass kann: singen, satte tiefe Töne produzieren, mehrstimmig spielen und gleichzeitig pizzen. Das dramaturgische Konzept, welches den Zuhörern des im übrigen gut gefüllten Aalto Foyers – die Kinder durften auf den Stufen sitzen und lauschen! – von Patrick Fuchs kurzweilig prägnant präsentiert wird, geht von Anfang an auf. Zunächst ein, dann zwei, dann drei Bässe sind zu hören, das schönste komme dann nach der Pause, damit alle gespannt weiter bleiben, das Oktett! Zunächst stockt Matthias Solle zu zwei Duetten von Giovanni Bottesini auf, dem wohl bekanntesten Kontrabassvirtuosen seiner Zeit, dem Eduard Hanslick nachsagte, er sei ein Athlet auf dem Instrument genauso wie ein Tonkünstler. Das trifft es genau, flinke Finger, voller Körpereinsatz, das bis zu 110 cm lange Griffbrett hoch und runter, einfach wohlklingend. Max Weller gesellt sich für das Programm bis zur Pause dazu, deutlich zu hören, was der dritte Bass in der Klangharmonik zusätzlich vermag. Die Schubertsche „Forelle“, Variationen in einer Bearbeitung von Stefan Schäfer begeistert ebenso wie die „Carmen Fantasie“ für Bassquartett, bearbeitet von Bernhard Salles, im Ensemble ergänzt von Patrick Fuchs.

Wie versprochen kommt das Beste nach der Pause, das Klangvolumen und die kompletten Möglichkeiten des Tonumfanges eines Kontrabasses werden von acht Bassisten zu Gehör gebracht, ebenso wie das Talent zum Rhythmusinstrument. Mit Michael Giesen, Stephan Pommer Alke Freytag und Benedikt Huber ist das Oktett komplett und präsentiert ein Intermezzo aus Piero Mascagnis Cavalleria rusticana (Stefan Schäfer) sowie die West Side Story Suite von Leonard Bernstein in Bearbeitung von Jorma Härkönen zur Begeisterung des Publikums.

Gefolgt, nein getoppt wird das bassistische Klangwunder von drei Bearbeitungen für diese Besetzung von Michael Giesen. Chick Coreas bekanntestes Stück „Spain“, feinfühlig umgesetzt, „Hier kommt Pippi Langstumpf“ von Jan Johannson, noch intelligenter und den Instrumenten gerecht werdend instrumentiert sorgen für begeisterten Applaus. Abschließend erklingt Alexander Courages Musikthema zu „Star Trek“, doch das Publikum ließ die acht Musiker damit nicht von der Bühne. Zugegeben wurde der „Pink Panther“ mit Rhythmusgruppe Publikum, welches eifrig mitschnipste. Ein Kammermusikalisches Konzerterlebnis, das nach Wiederholung ruft.

Am 27.8.22 wird dieses wahrscheinlich derzeit europaweit einzige Ensemble von acht Kontrabassisten beim TUP-Theaterfest nochmals zu hören sein.

Anaphora